2030 - Wie viel Mensch verträgt die Zukunft

Ein Gastbeitrag von Sven Gábor Jánszky, Zukunftsforscher, Journalist und Referent.

28.08.2019


2030 - WIE VIEL MENSCH VERTRÄGT DIE ZUKUNFT?

 

Europas gefragtester Zukunftsforscher hat in mehr als 600 Unternehmen, vor mehr als 200.000 Top-Managern seine wissenschaftlichen Zukunftsprognosen erläutert und Zukunftsstrategien für die Branchen entwickelt. In seinem neuen Buch „2030 – Wie viel Mensch verträgt die Zukunft“ begibt er sich auf eine leidenschaftliche Zeitreise ins Jahr 2030. In der diesjährigen Ausgabe der C€ Profile nimmt uns der Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky mit auf einen Rundgang durch die Welt der Zukunft und erläutert, wie technologische und gesellschaftliche Trends in den kommenden zehn Jahren unsere Welt verändern werden.

 

Einige der größten Menschheitsprobleme werden gelöst, aber auch neue Bedrohungen entstehen.

  • Wie wird Ihr Job aussehen?
  • Ist Vollbeschäftigung so positiv wie es klingt?
  • Was werden wir in 10 Jahren essen?
  • erden wir noch krank?
  • Wohin fahren wir in den Urlaub?
  • Wieso wird Mobilität kostenlos sein?

 

DIE ZUKUNFT WIRD SCHON HEUTE IM LABOR ENTWICKELT

Ob so oder so, Ihre Zukunft kommt nicht zufällig. Sie wird heute schon durch Forscher in Labors entwickelt, durch Unternehmen hinter verschlossenen Türen getestet und durch Investoren in unsere Welt gedrückt. Vom Genbaby in China über Künstliche Intelligenz im Silicon Valley bis zu Blockchain Entwicklern in Tel Aviv.

 

Die bestimmenden Technologien des Jahres 2030 werden genau in diesen Tagen entwickelt. Insbesondere die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz, Blockchain und Genetik sind nicht hoch genug einzuschätzen, sowie deren Folgetechnologien: Quantencomputer, Nanotube Electronics, digitale Assistenten, Augmented Reality, selbstfahrende Autos, kommerzielle Drohnen, Medical Food und 3D-Druck von Häusern sowie Ersatzteilorganen und Nahrungsmitteln.

 

RASANTE VERÄNDERUNG AB 2030

Allerdings ist ebenso Geduld angebracht. Denn einige der heute in den Medien diskutierten Technologien sind zwar faszinierend, aber bis zum Jahr 2030 noch nicht im Massenmarkt. Dazu gehört die universelle Künstliche Intelligenz, also jene Computer, die intelligenter sein werden als Menschen; Brain Computer Interfaces, also die Schnittstellen, mit denen sich Computer und menschliche Hirne verbinden lassen; echte Quantencomputer, die Millionen Qubits verschränken und beliebige Programme ausführen können; und Space Travel, also ein regulärer Tourismus im All, verbunden mit der Besiedlung des Mars. All diese Technologien werden bis 2030 zwar rasante Fortschritte vorweisen, aber nach heutiger Prognose erst nach dem Jahr 2030 wirklich relevante Veränderung in unser Leben bringen.

 

EIN TAG IM JAHR 2030

Wer mit uns Zukunftsforschern durch einen Tag im Jahr 2030 reist, dem fallen zuerst unsere neuen Mitbewohner auf. Im ersten Kapitel unseres Buches telefoniert die kleine Tochter Marga mit ihrem Großvater. Dieser ist allerdings schon verstorben und der digitale Opa-Bot imitiert ihn täuschend echt. Später am Tag lesen wir über den Happiness-Bot, der den Glückszustand misst und Tipps zur Steigerung gibt, ebenso wie den intelligenten Emotions-Assistenten auf den Handys von Ehepaaren, die den Emotionszustand des Partners erkennen und angemessene Handlungen empfehlen.

 

HAT EIN BOT RECHTE UND PFLICHTEN?

Jeder Mensch wird wohl eine Vielzahl von intelligenten digitalen Assistenten (Bots) für die unterschiedlichsten Tätigkeiten haben. Sie alle bilden eine „Bot-Economy“, denn sie kommunizieren und tätigen Geschäfte untereinander. Die besonders modernen, digitalen Assistenten treffen dabei selbstständige Entscheidungen, lernen selbst aus ihren Erfahrungen und erreichen dann den Status von eigenständigen, schuldfähigen Personen in unserem Rechtssystem. Dies führt zu Fragen: Müssen sie eine Steuererklärung abgeben? Und wenn sie etwas falsch gemacht haben, kann man sie vor Gericht verklagen? Und falls ja: Können sie verurteilt werden? Wozu? Zu Geldstrafe? Strafarbeit? Umprogrammieren? Oder gar zur kompletten Stilllegung? Und haben sie neben den Pflichten sogar Rechte?

 

ARBEITEN IN EINER WELT DER VOLLBESCHÄFTIGUNG

Neben den Technologietrends wird die Arbeitswelt in Deutschland im Jahr 2030 von zwei großen Phänomenen geprägt sein: Einerseits der Vollbeschäftigung: Jeder ordentlich ausgebildete Mensch hat einen Arbeitsplatz. Es gibt nur noch eine ganz geringe  Arbeitslosenquote von mindergebildeten Menschen. Darüber hinaus stehen ca. 3 Millionen Jobs frei, die nicht besetzt werden können, weil es zu wenige arbeitende Menschen in Deutschland gibt. Grund ist die Massenverrentung der Babyboomer-Generation, die in den kommenden Jahren voll zuschlägt. In der Folge werden Löhne steigen, eine Zuwanderung in den Arbeitsmarkt einsetzen und Menschen über das gesetzliche Rentenalter hinaus arbeiten.

 

MAN LERNT NIE AUS!

Auf der anderen Seite spüren alle Menschen trotz der Vollbeschäftigung zugleich permanent die Notwendigkeit zum Umlernen. Mindestens alle zehn Jahre, in Härtefällen sogar alle fünf Jahre werden die Menschen ihre Jobs verlassen und in langen, sechs- oder zwölfmonatigen Umlernprogrammen auf neue Technologien und Geschäftsmodelle geschult. Die Vorreiter dieser „Re-Bootcamps“ sieht man heute bereits in den „Hack-Reactors“ des Silicon Valley, in denen Laien in 3 Monaten programmieren lernen, sodass sie danach eine Anstellung bei Google & Co. finden.

 

NUTZEN SIE DAS REALITY GAP!

Haben Sie sich die Zukunft so vorgestellt? Die meisten vermutlich nicht. Sie kommt trotzdem! Deshalb haben wir Zukunftsforscher für das wichtigste Zukunfts-Phänomen einen eigenen Begriff, den bisher kaum einer gehört hat: Das Reality Gap. Gemeint ist, dass es eine Lücke gibt: zwischen dem Bild, das wir bisher von unserer Zukunft hatten, und dem, was technologisch in den nächsten zehn Jahren wirklich möglich sein wird. Dieses Reality Gap ist die Grundlage dafür, dass unsere Kinder besser leben werden als ihre Eltern: Sie werden länger, gesünder und selbstbestimmter leben. Und dabei auch noch einige der größten Menschheitsprobleme lösen. Technologisch waren wir noch nie so dicht dran. Packen wir es an!